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Blog: Die Scharfschützen der Wehrmacht – Präzisionsschützen in einem brutal geführten Krieg

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Scharfschütze
Scharfschütze

Die Scharfschützen der Wehrmacht

Was versteht man unter Scharfschützen?

Scharfschützen nahmen im Zweiten Weltkrieg eine besondere Rolle ein: Sie operierten unabhängig, wirkten auf große Distanzen und konnten mit wenigen Schüssen ganze Abschnitte einer Frontlinie beeinflussen. Auch in der Wehrmacht gab es Soldaten, die durch ihre Trefferzahlen bekannt wurden. Doch ihre Tätigkeit fand stets im Rahmen eines Angriffskrieges statt, der millionenfaches Leid verursachte. Historische Betrachtung darf daher nie isoliert Zahlen oder „Erfolge“ hervorheben, sondern muss die Gesamtzusammenhänge sichtbar machen.

Die Rolle des Scharfschützen in der Wehrmacht

Scharfschützen wurden häufig in besonders schwierigem Gelände oder an Brennpunkten eingesetzt – etwa an der Ostfront, in urbanen Räumen oder bei Verteidigungsstellungen. Ausgebildet wurden sie häufig an Heeres-Scharfschützenschulen, später auch an Frontkursen.

Die Ausrüstung umfasste meist:

  • Karabiner 98k mit Zielfernrohr ZF39

  • Tarnanzüge, Schneetarn

  • Beobachtungsfernrohre

  • getarnte Stellungen und Tarnnetze

Aufgrund der Natur des Ostkriegs – hoher Personalverschleiß, weite Front und wechselnde Stellungskämpfe – wurden deutsche Scharfschützen außerhalb von Spezialverbänden oft an Brennpunkte verlegt, um einzelne sowjetische Stoßtrupps oder MG-Nester auszuschalten.

Bekannte Scharfschützen der Wehrmacht (historische Einordnung)

Matthäus Hetzenauer 

  • Geboren in Österreich, Gebirgsjäger der 3. Gebirgs-Division

  • Ausbildung zum Scharfschützen 1944

  • Ca. 345 bestätigte Treffer

  • Erhielt 1945 das Ritterkreuz, Nahkampfspange in Gold, Scharfschützenabzeichen in Gold
  • Setzte Karabiner 98k und G43 mit Optik ein

  • Verwundet 1945, später sowjetische Kriegsgefangenschaft

Hetzenauer wird heute oft in Statistiken genannt, doch seine Einsätze erfolgten in einem Kontext intensiver Gebirgskämpfe und Rückzugsgefechte in der Ukraine und der Slowakei. Seine eigenen Erinnerungen beschreiben den Kampf oft als Zwangshandlung zum Überleben – nicht als heroische Leistung.

Josef “Sepp” Allerberger 

  • Ebenfalls aus Österreich, diente in der 3. Gebirgs-Division

  • Etwa 257 bestätigte Treffer

  • Bekannt durch seine autobiografische Aufarbeitung „Im Auge des Jägers“ (kritisch zu lesen)

  • Improvisierte teils eigene Hilfsmittel, etwa ein selbstgebautes Scharfschützenbrett

Allerberger schildert in seinen Berichten eindrücklich die Brutalität des Ostkriegs, aber auch die zunehmende Perspektivlosigkeit der deutschen Truppen 1944/45. Seine Aussagen enthalten jedoch dramatisierende Elemente und müssen daher historisch geprüft werden.

Friedrich Pein 

  • Scharfschütze der Wehrmacht aus Österreich

  • Ca. 200 bestätigte Treffer

  • Erhielt 1945 das Ritterkreuz

  • Einsatzgebiete: Ukraine, später Slowakische Berge

Pein gilt als einer der früh ausgebildeten Präzisionsschützen und diente häufig an Schlüsselstellungen, die vor sowjetischen Durchbrüchen geschützt werden sollten.

Warum hohe Trefferzahlen kritisch betrachtet werden müssen

Trefferzahlen wurden häufig unter chaotischen Kampfbedingungen gemeldet, teilweise überhöht oder verzerrt. Sie sind daher keineswegs präzise militärische Leistungswerte. Entscheidend ist außerdem:

  • Scharfschützen wirkten in einem Krieg, der systematisch gegen die Zivilbevölkerung geführt wurde

  • Die Wehrmacht war integraler Bestandteil des NS-Regimes

  • Die Darstellung individueller „Erfolge“ kann leicht missinterpretiert werden, wenn der historische Kontext fehlt

Seriöse militärhistorische Betrachtung darf deshalb niemals einzelne Soldaten isoliert glorifizieren.

Der sowjetische Einfluss: Gegenspieler und Propaganda

An der Ostfront trafen deutsche Scharfschützen auf hervorragend ausgebildete sowjetische Gegenparts. Die Rote Armee erkannte schnell die Bedeutung dieser Waffengattung und setzte selbst hunderte Präzisionsschützen ein – darunter hochdekorierte Persönlichkeiten wie Wassili Saizew oder Ljubow Pawlitschenko.

Dies führte zu einem „Duell der Schulen“, in dem beide Seiten Taktiken und Tarnungsmethoden ständig weiterentwickelten.

Fazit: Präzisionsschützen im Schatten einer Diktatur

Die Scharfschützen der Wehrmacht waren technisch und taktisch bestens geschulte Soldaten, deren Fähigkeiten im Kriegsverlauf zunehmend Bedeutung gewannen. Doch ihre Einsätze fanden immer im Rahmen eines Kriegs statt, der von einem diktatorischen Regime geführt wurde.

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