Die Bundeswehr wurde in ihrer Geschichte immer wieder zur „Armee im politischen Niemandsland“. Einerseits war sie ein entscheidender Pfeiler der westlichen Verteidigung im Kalten Krieg und trug maßgeblich zur Abschreckung des Warschauer Pakts bei. Andererseits blieb sie in der öffentlichen Wahrnehmung ein ungeliebtes Kind. Geprägt von historischer Vorsicht und einer politischen Kultur, die militärische Stärke meist nur als notwendiges Übel akzeptierte.
Der Beitrag der Bundeswehr zum Sieg des Westens im Kalten Krieg wurde kaum gewürdigt. Jahrzehntelang hielten Hunderttausende Soldaten die Stellung, trainierten, sicherten Grenzen und garantierten Stabilität. Doch in der politischen Erzählung dominieren bis heute die Stimmen der Diplomatie. Diese einseitige Sicht hat eine schleichende Entfremdung zwischen Truppe und Gesellschaft befördert, die bis in die Gegenwart nachwirkt.
Besonders gefährlich ist dabei das Verständnis des „Primats der Politik“ als Einbahnstraße. Politische Führung darf militärische Entscheidungen nicht nur diktieren, sie muss sie auch verstehen, tragen und verantworten. Wo politische Symbolik an die Stelle von strategischem Denken tritt, leidet nicht nur die Einsatzbereitschaft, sondern das Vertrauen der Soldaten in den Staat, dem sie dienen.
Ein funktionierendes Verhältnis zwischen Politik und Streitkräften setzt Respekt, Kompetenz und Dialog voraus. Nur wenn politische Führung und militärische Praxis auf Augenhöhe agieren, kann die Bundeswehr ihren Auftrag erfüllen – als Parlamentsarmee, die nicht nur in Reden gewürdigt, sondern in ihrer Bedeutung auch tatsächlich ernst genommen wird.
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Parlamentsarmee ?: Bundeswehr braucht Führung von General Jörg Bahnemann
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