Registrieren Sie sich, um alle Vorteile des Shops zu genießen.

Login
oder
oder neues Konto anlegen
de Deutsch
ќ
Datenschutz: Erforderlich und aktiv (1) = PHPSESSID zur Identifikation. Entscheiden Sie selbst wie Ihre Daten verwendet werden. Consent bar.
Details

Blog: Wyatt Earp: Ein Held des Wilden Westens – oder doch nicht?

ȭ
Wyatt Earp
Wyatt Earp

Wyatt Earp: Ein Held des Wilden Westens – oder doch nicht?

Gesetzeshüter, Glücksspieler, Geschäftsmann und ein Familienmensch der erbarmungslos abrechnete. Der Mann Wyatt Earp wird bis heute als Ikone des Wilden Westens verehrt. Dabei passt sein Leben nur bedingt zu dem Helden, den zahlreiche Westernfilme und Bücher aus ihm gemacht haben.

Ein Mann mit zwei Gesichtern

Der Name Wyatt Earp gehört zum Wilden Westen wie der Sheriffstern, Saloons und ein Colt.45. Auf der Leinwand ist er meist der entschlossene Gesetzeshüter, der dort für Gerechtigkeit sorgt, wo andere versagen. Allerdings stand auch Wyatt Earp selbst nicht immer auf der richtigen Seite des Gesetzes.

Wyatt wurde 1848 in Illinois geboren und zog als Jugendlicher mit seiner Familie nach Westen. Sein Vater Nicholas verlangte Disziplin und bedingungslosen Gehorsam. Besonders die enge Bindung an seine Brüder prägten Wyatts Persönlichkeit. Später sollte gerade diese Loyalität sein Handeln bestimmen und das mit verheerenden Folgen.

Vom Familienvater zum Mann auf der Flucht

In Missouri wollte Wyatt zunächst sesshaft werden. Er heiratete Urilla Sutherland, fand eine Anstellung als Hilfssheriff und bereitete sich auf die Geburt des ersten Kindes vor. Doch seine Frau verlor das Kind und starb an einer Fieberepidemie. Sein bisheriges Leben zerbrach.

Wyatt verließ Missouri, verdiente sein Geld mit Gelegenheitsjobs und geriet selbst mit dem Gesetz in Konflikt. Im Jahr 1871 wurde er in Arkansas wegen Pferdediebstahls angeklagt, flüchtete aber vor dem Prozess. Auch Glücksspiel und zweifelhafte Etablissements gehörten zu seinem Leben auf der Flucht. Eine makellose Vergangenheit hatte dieser spätere Westernheld also definitiv nie.

Der Blechstern war nicht nur ein Beruf, sondern eine Einstellungssache

In den Viehstädten Wichita und Dodge City fand Earp erneut Arbeit als Gesetzeshüter. Wenn die Cowboys nach wochenlangen Viehtrieben ihren Lohn in Saloons, an Pokertischen und in den Bordellen ausgaben, waren Schlägereien und Schießereien mit tödlichem Ausgang an der Tagesordnung. Wyatt galt als ruhig und entschieden. Er brauchte keinen Colt, um sich Respekt zu verschaffen. Manchmal genügten seine körperliche Überlegenheit und Ausstrahlung.

Doch sein Verständnis von Gerechtigkeit war eigenwillig. 1876 verlor er seine Anstellung in Wichita nach einer tätlichen Auseinandersetzung mit einem politischen Gegner seines Vorgesetzten. In Dodge City setzte er seine Laufbahn fort, während er sein geschäftliches Interesse am Kartenspiel vertiefte. Für Earp schloss der Blechstern den Pokertisch keineswegs aus. In Dodge City lernte Wyatt zwei seiner wichtigsten Weggefährten kennen, die selbst zu Ikonen der Westerngeschichte wurden: John Henry Holliday und Bat Masterson.

Tombstone: Drei Tote und viele Fragen

Unsterblich machte ihn eine Schießerei, die kaum länger als eine halbe Minute dauerte. Am 26. Oktober 1881 standen Wyatt, seine Brüder Virgil und Morgan sowie Doc Holliday in Tombstone einer Gruppe Cowboys gegenüber. Über dreißig Schuss fielen auf dem Gelände des O. K. Corral. Billy Clanton sowie Tom und Frank McLaury starben. Virgil, Morgan und Doc wurden verwundet; Wyatt aber blieb unverletzt.


War es eine notwendige Durchsetzung des Gesetzes oder eine gezielte Abrechnung? Schon damals war die Stadt darüber gespalten und ist es bis heute. Die gerichtliche Voruntersuchung führte zum Freispruch der Earps und Doc Holliday. Damit war die Fehde aber keineswegs beendet. Der O. K. Corral wurde zum Schauplatz einer Legende, lange bevor Hollywood die Geschichte für sich entdeckte. Für Wyatt wurde jener Tag zur Kriegserklärung.

Für den Bruder und gegen das Gesetz

Im Dezember 1881 wurde Virgil Earp bei einem Hinterhalt schwer verletzt. Im März 1882 erschossen Unbekannte Morgan durch das Fenster eines Billardsalons. Für Wyatt war der Tod seines jüngeren Bruders kaum zu ertragen.

Gemeinsam mit Doc Holliday und weiteren Gefährten verfolgte er die Mitglieder der Bande der Cowboys, die er für die Anschläge verantwortlich machte. Bei diesem als „Vendetta Ride“ bekannten Rachefeldzug starben mehrere Männer. Nicht jede Tat und nicht jede Schuldzuweisung ist bis heute zweifelsfrei geklärt. Sicher ist aber, dass Wyatt die Vergeltung selbst in die Hand nahm. Der Mann, der zuvor das Gesetz vertreten hatte, nahm nun beispiellose Rache. Auf ihn wurden Haftbefehle ausgestellt.

Die Geschichte lässt sich nicht einfach in Gut und Böse einteilen. Wyatts Loyalität gegenüber seinen Brüdern war menschlich nachvollziehbar. Die Gewalt seines Rachefeldzugs bleibt deshalb nicht weniger problematisch.

Wie aus Wyatt Earp ein Westernheld wurde

Nach Tombstone lebte Earp weiter als Spieler und Geschäftsmann. Mit Josephine Marcus reiste er durch den Westen und bis nach Alaska, wo er während des Goldrauschs mit einem Saloon Geld verdiente. Sein berühmter Name lockte Gäste an. Über Tombstone wollte er aber nicht sprechen.

Als Wyatt am 13. Januar 1929 an einer chronischen Blasenentzündung in Los Angeles starb, war der alte Westen längst Vergangenheit. Die Filmindustrie hatte jedoch gerade begonnen, ihn neu zu erfinden. Stuart N. Lakes 1931 erschienene Biografie „Wyatt Earp: Frontier Marshal“ trug entscheidend dazu bei, aus einem widersprüchlichen Mann einen nahezu unfehlbaren Helden zu machen. Westernfilme griffen diese Version begeistert auf.

Bis heute reisen Besucher nach Tombstone, schauen sich nachgestellte Schießereien an und begegnen Earp in Filmen und Romanen. Seine Verehrung hat viele Gründe: Er stand für Mut, Entschlossenheit und familiäre Loyalität. Wer aber in Wyatt Earp nur den edlen Marshal sehen will, verpasst den interessanteren Teil seiner Persönlichkeit.

Ein Mann, über den man streiten darf

Man muss Wyatt Earp nicht zum Helden erklären, um sich für ihn zu begeistern. Sein Leben erzählt von den Widersprüchen des amerikanischen Westens: von Möglichkeiten und Verlusten, von einer schwachen staatlichen Ordnung und von Männern, die ihre Konflikte mitunter selbst lösten und nicht selten dafür reine Waffengewalt benutzten.

Am Ende bleibt eine Frage, die weit spannender ist als die nach dem schnellsten Colt im Westen: Wie weit darf Loyalität gehen? Bei Wyatt Earp führte sie über die Grenze dessen hinaus, was ein Gesetzeshüter verantworten konnte. Trotz des Blutvergießens, oder gerade deshalb, sprechen wir noch heute über ihn.

Manuela Schneider ist Ehrenkonsul der Stadt Tombstone für den deutschsprachigen Raum und gilt als Expertin für den Silberboom, Pioniergeschichte und die Helden jener Tage. Finden Sie mehr heraus über die berühmte Schießerei am O.K. Corral und Wyatts Rachefeldzug in Dr. Goodfellow – Kugeln, Blut und der Chirurg der Revolverhelden.

https://www.amazon.de/dp/3964038121

Datenschutzerklärung | Impressum | Adalize | MK1 8.9.19 | RegNr. 18443 | use-media Œ
û