Nach dem Scheitern des deutschen Vormarsches im Westen 1914 und dem Übergang zum Stellungskrieg suchte die deutsche Oberste Heeresleitung nach einem Weg, die militärische Pattsituation aufzubrechen. Generalstabschef Erich von Falkenhayn verfolgte 1916 die Strategie, Frankreich durch einen gezielten Großangriff „auszubluten“. Verdun erschien als geeignetes Ziel:
Der Frontbogen um die Stadt war exponiert.
Verdun besaß hohe symbolische Bedeutung für Frankreich.
Die französische Führung würde gezwungen sein, enorme Kräfte zur Verteidigung einzusetzen.
Ziel war weniger die Einnahme der Stadt selbst als vielmehr die Zermürbung der französischen Armee durch unaufhörliche Gefechte.
Am 21. Februar 1916 eröffnete die deutsche Artillerie ein bis dahin beispielloses Trommelfeuer. Innerhalb weniger Stunden verwandelten hunderttausende Granaten das Vorfeld Verduns in eine Trümmerlandschaft. Bereits am 25. Februar fiel das strategisch wichtige Fort Douaumont nahezu kampflos in deutsche Hände – ein schwerer Schlag für die französische Moral.
Doch der schnelle Durchbruch blieb aus. Die französische Führung reagierte rasch: General Philippe Pétain organisierte die Verteidigung neu. Über die sogenannte „Voie Sacrée“, eine ständig instand gehaltene Nachschubstraße, wurden ununterbrochen Truppen und Material herangeführt. Pétain setzte auf rotierende Einheiten, um die Kampfkraft zu erhalten – nahezu jede französische Division sollte im Verlauf der Schlacht bei Verdun eingesetzt werden.
Verdun entwickelte sich zu einer Schlacht ohne entscheidende Bewegung. Hügel wie „Le Mort-Homme“ (Toter Mann) oder „Höhe 304“ wechselten mehrfach den Besitzer. Die Kämpfe zeichneten sich durch extreme Artillerieduelle, Minenkrieg, Nahkämpfe in zerstörten Forts und katastrophale Lebensbedingungen in den Schützengräben aus.
Im Sommer 1916 band zudem die britisch-französische Offensive an der Somme erhebliche deutsche Kräfte. Dadurch ließ der Druck auf Verdun nach. Im Herbst gingen die französischen Truppen ihrerseits zur Offensive über.
Ab Oktober 1916 eroberten französische Einheiten wichtige Stellungen zurück, darunter auch das zuvor verlorene Fort Douaumont. Bis Dezember waren die meisten im Frühjahr verlorenen Gebiete wieder in französischer Hand. Eine klare strategische Entscheidung war jedoch nicht erreicht worden.
Die Schlacht forderte ungeheure Opfer. Schätzungen gehen von etwa 300.000 Toten und über 400.000 Verwundeten auf beiden Seiten aus. Verdun wurde zum Symbol des französischen Durchhaltewillens – „Ils ne passeront pas!“ („Sie kommen nicht durch!“) wurde zum Leitspruch.
Für das Deutsche Reich bedeutete Verdun das Scheitern der Abnutzungsstrategie Falkenhayns. Kurz nach der Schlacht wurde er als Generalstabschef abgelöst.
Die Schlacht um Verdun steht exemplarisch für den Charakter des industrialisierten Stellungskrieges im Ersten Weltkrieg:
Dominanz der Artillerie
Enorme logistische Anforderungen
Psychische und physische Extrembelastung der Soldaten
Strategische Wirkung durch Zermürbung statt Raumgewinn
Verdun wurde zu einem Erinnerungsort beider Nationen. Noch heute zeugen Schlachtfelder, Beinhäuser und Fortanlagen von der Zerstörungskraft dieses Krieges.
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