Im Sommer 1917 suchte die deutsche Militärführung dringend nach einem Jagdflugzeug, das den zunehmend leistungsfähigen alliierten Mustern – insbesondere den britischen Sopwith-Jägern – etwas entgegensetzen konnte. Die Antwort kam von Anthony Fokker, dessen Konstrukteure sich von der britischen Sopwith Triplane inspirieren ließen.
Das Ergebnis war die Fokker Dr.I (Dr. = Dreidecker), ein extrem kompakter Jäger mit drei übereinander angeordneten Tragflächen. Ziel war maximale Wendigkeit und Steigleistung – entscheidende Faktoren im kurvenreichen Luftkampf jener Zeit.
Die Fokker Dr.I war ein radikal anderes Flugzeug:
Dreiflügelige Bauweise mit kurzer Spannweite
Sehr große Querruder für außergewöhnliche Manövrierfähigkeit
Leichter Sternmotor (Oberursel UR.II, 110 PS)
Bewaffnung: zwei synchronisierte 7,92-mm-MG 08/15
Die Maschine war kein Hochgeschwindigkeitsjäger. Ihre Stärke lag vielmehr im engen Kurvenflug, im schnellen Steigen und im kontrollierten Flug bei niedrigen Geschwindigkeiten. Gerade im Nahkampf – dem klassischen „Dogfight“ – konnte die Dr.I ihre Gegner regelrecht ausmanövrieren.
Ab Herbst 1917 kam die Fokker Dr.I bei ausgewählten Jagdstaffeln zum Einsatz. Besonders bekannt wurde sie durch Jasta 11, deren Kommandeur Manfred von Richthofen mehrere seiner letzten Luftsiege auf einer rot lackierten Dr.I errang.
Doch die Karriere des Dreideckers war kurz und problematisch:
Strukturelle Schwächen führten zu tödlichen Flügelbrüchen
Zeitweilige Frontsperre aller Maschinen zur Überprüfung
Begrenzte Reichweite und vergleichsweise geringe Geschwindigkeit
Obwohl diese Mängel teilweise behoben wurden, war bereits ab 1918 klar, dass modernere Jagdflugzeuge – allen voran die Fokker D.VII – die Zukunft bestimmten.
Militärisch gesehen war die Fokker Dr.I kein perfektes Flugzeug. Doch ihr ikonisches Erscheinungsbild, kombiniert mit der Legende des Roten Barons, machte sie zu einem der bekanntesten Flugzeuge der Geschichte.
Der Dreidecker wurde zum Sinnbild:
des ritterlichen Luftkampfes
der frühen Phase des Jagdfliegerkriegs
der romantisierten Vorstellung vom Fliegerass
Bis heute prägt die Dr.I Filme, Bücher, Modellbau und historische Darstellungen wie kaum ein anderes Muster des Ersten Weltkriegs.
Erstflug: 1917
Höchstgeschwindigkeit: ca. 185 km/h
Reichweite: ca. 300 km
Bewaffnung: 2× MG 08/15
Besatzung: 1 Pilot
Die Fokker Dr.I war kein Allroundjäger und kein technischer Durchbruch – aber sie war ein Meister des Luftkampfes auf engem Raum. Ihr Ruf gründet weniger auf nüchternen Leistungsdaten als auf ihrer Wirkung im Gefecht und ihrer außergewöhnlichen Symbolkraft.
Kurz gesagt:
Die Fokker Dr.I war mehr Legende als Waffe – und gerade deshalb unsterblich.