Am 21. Februar 1916 begann eine der größten und verlustreichsten Schlachten des Ersten Weltkriegs. Im Mittelpunkt stand Verdun – eine französische Festungsstadt, deren Name schon bald zum Synonym für die Schrecken des Stellungskrieges werden sollte.
Auf deutscher Seite lag die Verantwortung für den Angriff zunächst bei einer gewaltigen Streitmacht: der 5. Armee unter dem Kommando von Kronprinz Wilhelm von Preußen.
Sie sollte die französischen Stellungen vor Verdun durchbrechen und die französische Armee unter maximalen Druck setzen. Was als große Offensive begann, entwickelte sich jedoch zu einer monatelangen Schlacht, in der die 5. Armee immer größere Kräfte in den Kampf warf.
Die deutsche 5. Armee war bereits seit Beginn des Ersten Weltkriegs an der Westfront eingesetzt. 1916 erhielt sie eine zentrale Rolle in den deutschen Planungen für den Angriff auf Verdun.
Ihr Oberbefehlshaber war Kronprinz Wilhelm, der älteste Sohn Kaiser Wilhelms II.
Die eigentliche militärische Planung und Führung lag jedoch wesentlich bei seinen Stabsoffizieren und den unterstellten Korps- und Divisionskommandeuren.
Für die Offensive wurde die 5. Armee erheblich verstärkt. Besonders die Artillerie erhielt eine enorme Feuerkraft.
Schwere Geschütze, Mörser und Feldartillerie wurden in großer Zahl zusammengezogen.
Das Ziel war klar:
Die französische Front sollte durch konzentriertes Feuer aufgebrochen werden.
Am frühen Morgen des 21. Februar begann die deutsche Artillerievorbereitung.
Das Feuer erstreckte sich über einen breiten Frontabschnitt. Französische Gräben, Batterien, Unterstände und Verkehrswege wurden beschossen.
Die deutsche Führung setzte darauf, die französischen Stellungen durch die enorme Feuerkraft soweit zu zerschlagen, dass die Infanterie anschließend relativ schnell vorstoßen konnte.
Das Bombardement dauerte über Stunden.
Dann gingen die deutschen Infanteriedivisionen zum Angriff über.
Für die französischen Soldaten begann damit eine der schwersten Bewährungsproben des gesamten Krieges.
Die ersten Tage brachten der 5. Armee bedeutende Geländegewinne.
Deutsche Truppen rückten vor und eroberten französische Stellungen. Wälder, Höhen und Dörfer wechselten den Besitzer.
Am 25. Februar fiel Fort Douaumont in deutsche Hand.
Die Eroberung des Forts war ein bedeutender Erfolg und hatte einen enormen symbolischen Wert.
Doch der deutsche Vormarsch kam nicht bis zur eigentlichen Stadt Verdun.
Je weiter die deutschen Truppen vorrückten, desto stärker wurde der französische Widerstand.
Die französische Armee verstärkte ihre Front und brachte immer neue Truppen in den Kampf.
Ein entscheidender Faktor war die französische Versorgungslinie nach Verdun.
Über die Straße von Bar-le-Duc nach Verdun, die später als „Voie Sacrée“ bekannt wurde, erreichten ständig neue Soldaten, Munition und Versorgungsgüter das Schlachtfeld.
Lastwagenkolonnen bewegten sich nahezu ununterbrochen in Richtung Front.
Damit gelang es den Franzosen, ihre Verteidigung immer weiter zu verstärken.
Der deutsche Angriff verlor zunehmend an Dynamik.
Aus dem geplanten Durchbruch wurde ein Kampf um einzelne Höhen, Wälder und Befestigungen.
Besonders heftig wurde um die Höhen westlich der Maas gekämpft.
Der Tote Mann (Mort-Homme) und die Höhe 304 entwickelten sich zu Schauplätzen erbitterter Kämpfe.
Die deutsche 5. Armee setzte dort immer neue Angriffe an.
Doch die französische Verteidigung war inzwischen stark organisiert.
Artilleriefeuer, Maschinengewehre und Gegenangriffe machten jeden Vormarsch äußerst schwierig.
Das Gelände selbst wurde durch den permanenten Beschuss verändert.
Wälder verschwanden.
Straßen wurden zerstört.
Die Landschaft verwandelte sich in eine Kraterlandschaft.
Im Verlauf des Jahres 1916 veränderte sich der Charakter der Schlacht.
Die deutsche Führung konnte Verdun nicht schnell entscheiden.
Stattdessen entstand eine gigantische Abnutzungsschlacht.
Divisionen wurden an die Front geführt, kämpften mehrere Tage oder Wochen und wurden anschließend wieder herausgezogen.
Doch die Ablösungen bedeuteten keineswegs Erholung.
Die Soldaten kehrten häufig in andere Abschnitte der Front zurück oder wurden nach kurzer Zeit erneut eingesetzt.
Verdun verschlang Regimenter und Divisionen.
Kronprinz Wilhelm blieb während der Schlacht der Oberbefehlshaber der 5. Armee.
Seine Rolle wurde bereits während des Krieges unterschiedlich bewertet. Er stand an der Spitze einer Armee, deren Operationen zunehmend von der Realität des Stellungskrieges bestimmt wurden.
Die strategischen Entscheidungen wurden dabei nicht allein von ihm getroffen.
Generäle wie Konstantin Schmidt von Knobelsdorf, der Chef des Generalstabs der 5. Armee, hatten erheblichen Einfluss auf die operative Führung.
Gerade zwischen verschiedenen Ebenen der deutschen Führung bestanden unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie die Schlacht fortgeführt werden sollte.
Während die Kämpfe um Verdun weitergingen, veränderte sich die gesamte militärische Lage.
An anderen Frontabschnitten wurden ebenfalls große Offensiven vorbereitet.
Im Sommer 1916 begann die Schlacht an der Somme.
Damit geriet die deutsche Westfront zusätzlich unter Druck.
Die deutschen Truppen mussten Kräfte verschieben und ihre Reserven neu verteilen.
Auch Verdun blieb davon nicht unberührt.
Im Herbst 1916 gingen die Franzosen zunehmend zum Gegenangriff über.
Nach intensiver Artillerievorbereitung rückten französische Truppen gegen die deutschen Stellungen vor.
Am 24. Oktober 1916 fiel Fort Douaumont wieder in französische Hand.
Weitere französische Angriffe folgten.
Bis Dezember waren die französischen Truppen weitgehend auf ihre Ausgangsstellungen zurückgekehrt.
Die deutsche Offensive war damit praktisch beendet.
Die deutsche 5. Armee hatte bei Verdun einen enormen Aufwand betrieben.
Hunderttausende Soldaten waren in die Schlacht geführt worden. Unzählige Geschütze hatten Millionen von Granaten verschossen.
Doch der erhoffte strategische Durchbruch blieb aus.
Verdun wurde zu einer Schlacht, in der beide Seiten enorme Verluste erlitten, während sich die Front nur vergleichsweise wenig bewegte.
Die 5. Armee war dabei nicht nur Angreifer, sondern wurde selbst immer stärker in den Abnutzungskrieg hineingezogen.
Die deutsche 5. Armee steht damit exemplarisch für die Entwicklung des Ersten Weltkriegs.
1916 trafen hier industrielle Feuerkraft, massive Befestigungen und Millionen Soldaten aufeinander.
Die deutsche Armee verfügte über eine gewaltige Artillerie und konnte zu Beginn bedeutende Geländegewinne erzielen.
Doch Verdun zeigte zugleich die Grenzen dieser militärischen Macht.
Die stärkste Artillerie konnte Stellungen zerstören. Sie konnte aber nicht verhindern, dass der Gegner neue Truppen heranführte.
Die deutsche 5. Armee kämpfte fast ein Jahr lang um Verdun.
Am Ende war die Stadt nicht gefallen.
Was blieb, war eine Landschaft, die vom Artilleriefeuer zerfressen worden war – und eine Schlacht, deren Name bis heute für den industrialisierten Massenkrieg des Ersten Weltkriegs steht.
Verdun war für die deutsche 5. Armee nicht der erhoffte schnelle Sieg. Es wurde zum langen Kampf gegen einen Gegner, der immer wieder neue Kräfte auf das Schlachtfeld bringen konnte.