Der Bau des Westwalls war ein monumentales Unterfangen, das Tausende von Arbeitskräften beschäftigte. Neben regulären Soldaten wurden auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene eingesetzt. Die Befestigungsanlagen bestanden aus einer Kombination aus Bunkern, Panzergräben, Stacheldrahtverhauen, Panzersperren und Beobachtungsposten. Besonders beeindruckend war die Vielfalt der Bunker, von kleinen Maschinengewehrstellungen bis zu großen betonierten Artilleriebunkern, die ganze Infanterieeinheiten aufnehmen konnten. Die Bauweise spiegelte den Stand der Militärtechnik der 1930er Jahre wider und machte den Westwall zu einem schwer zu durchbrechenden Hindernis.
Trotz seiner massiven Befestigungen spielte der Westwall im frühen Kriegsverlauf eine eher geringe Rolle. Im Sitzkrieg (Phoney War) 1939–1940 standen deutsche Truppen hinter der Linie, doch die eigentliche Kampfhandlung blieb zunächst aus. Als im Mai 1940 die Wehrmacht den Westwall jedoch verließ, um über die Ardennen nach Frankreich vorzurücken, zeigte sich, dass feste Verteidigungsliinie in strategischer Hinsicht umgangen werden konnten. Die Alliierten, die Jahre später versuchten, die Linie zu durchbrechen, stießen jedoch auf hartnäckigen Widerstand. Im Spätsommer 1944, nach der Landung in der Normandie und dem Vormarsch durch Frankreich, wurden die deutschen Verteidiger am Westwall aufgerieben. Die Kämpfe um die Bunker waren zäh und verlustreich, da die befestigten Positionen den Angreifern hohen Widerstand entgegensetzten. Doch durch Luftangriffe, Artilleriebeschuss und den zunehmenden Mangel an Nachschub und Personal wurden die deutschen Stellungen zunehmend unhaltbar.
Die Zerstörung des Westwalls erfolgte sowohl durch Kampfhandlungen als auch gezielte Sprengungen. Die Alliierten nutzten schwere Panzer, Infanterie und Artillerie, um Bunker zu neutralisieren, während deutsche Truppen beim Rückzug viele Anlagen sprengten, um sie unbrauchbar zu machen. Bis Anfang 1945 war die Linie weitgehend durchbrochen und verlor ihre militärische Bedeutung. Heute erinnern nur noch wenige Bunker, Schützengräben und Gedenkstätten an die einstige Macht des Westwalls. Viele Überreste sind inzwischen touristische Attraktionen oder dienen als Mahnmale gegen Krieg und Gewalt.
Der Westwall bleibt ein eindrucksvolles Zeugnis militärischer Ingenieurskunst, zugleich aber auch Mahnung an die Grausamkeit und Sinnlosigkeit von Kriegen. Von der Planung und dem Bau über die zähen Kämpfe bis hin zur Zerstörung spiegelt er die dramatischen Wendungen des Zweiten Weltkriegs wider und bietet Historikern wie Besuchern gleichermaßen Einblicke in eine düstere Epoche der europäischen Geschichte.
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