Kaum ein Orden ist so eng mit der preußischen Militärgeschichte verbunden wie der Pour le Mérite. Über mehr als zwei Jahrhunderte entwickelte sich die Auszeichnung von einem höfischen Verdienstorden zu der höchsten Tapferkeitsauszeichnung Preußens für Offiziere. Besonders durch die berühmten Jagdflieger des Ersten Weltkriegs erhielt der Orden weltweite Bekanntheit und ging unter dem Spitznamen „Blauer Max“ in die Geschichte ein.
Doch hinter dem Mythos verbirgt sich eine lange Entwicklung, die bereits weit vor den Weltkriegen begann.
Der Pour le Mérite wurde am 31. Mai 1740 von König Friedrich II. von Preußen, später als Friedrich der Große bekannt, gestiftet. Ursprünglich handelte es sich nicht ausschließlich um einen Militärorden. Vielmehr sollte er außergewöhnliche Verdienste um den preußischen Staat würdigen.
Der französische Name war kein Zufall. Französisch galt im europäischen Adel des 18. Jahrhunderts als Sprache der Diplomatie und der höfischen Kultur. Selbst preußische Offiziere und Staatsmänner verwendeten sie regelmäßig.
Anfangs konnte der Orden sowohl an Militärangehörige als auch an Zivilisten verliehen werden. Erst im Laufe der Zeit entwickelte sich der Pour le Mérite zu einer rein militärischen Auszeichnung.
Während der Napoleonischen Kriege gewann der Orden erheblich an Bedeutung. Besonders nach den preußischen Reformen zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde er zunehmend als Auszeichnung für außergewöhnliche militärische Leistungen verstanden.
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts etablierte sich der Pour le Mérite endgültig als höchste militärische Ehrung für Offiziere der preußischen Armee. Mannschaften und Unteroffiziere konnten diese Auszeichnung grundsätzlich nicht erhalten. Für sie existierten andere Tapferkeitsorden, etwa das Militär-Ehrenzeichen oder später das Eiserne Kreuz.
Der Pour le Mérite besteht aus einem blau emaillierten Malteserkreuz mit goldenen Adlern zwischen den Kreuzarmen. Auf den Armen des Kreuzes befindet sich die Inschrift „Pour le Mérite“.
Getragen wurde der Orden an einem schwarzen Band mit silbernen Seitenstreifen um den Hals. Aufgrund seiner markanten blauen Farbe erhielt er später den populären Spitznamen „Blauer Max“.
Trotz der Bekanntheit dieses Namens handelt es sich nicht um die offizielle Bezeichnung des Ordens.
Seinen größten Bekanntheitsgrad erreichte der Pour le Mérite während des Ersten Weltkriegs. Vor allem erfolgreiche Jagdflieger machten ihn zu einem Symbol außergewöhnlicher Tapferkeit.
Zu den bekanntesten Trägern gehörten:
Insbesondere Richthofen, der als „Roter Baron“ weltberühmt wurde, prägte das Bild des Ordens nachhaltig.
Für Jagdflieger galten zeitweise feste Richtwerte, etwa eine bestimmte Anzahl bestätigter Luftsiege. Dennoch blieb jede Verleihung eine individuelle Entscheidung des Kaisers beziehungsweise der zuständigen militärischen Stellen.
Für außergewöhnlich herausragende Leistungen konnte der Pour le Mérite mit Eichenlaub verliehen werden. Diese Steigerungsform blieb jedoch äußerst selten und war nur wenigen Offizieren vorbehalten.
Das Eichenlaub symbolisierte eine erneute außergewöhnliche militärische Leistung nach der bereits erfolgten Verleihung des Ordens.
Mit dem Ende des Deutschen Kaiserreichs im November 1918 endete auch die Verleihung des militärischen Pour le Mérite.
Die Weimarer Republik führte keine Nachfolgeauszeichnung ein. Bereits verliehene Orden durften jedoch weiterhin getragen werden.
Während die militärische Auszeichnung verschwand, blieb die zivile Tradition erhalten.
Heute existiert der Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste, der 1842 gegründet wurde und bis heute bedeutende Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Literatur, Musik und bildender Kunst ehrt.
Er besitzt keinerlei militärischen Charakter und steht in einer eigenständigen Tradition.
Während seiner Geschichte wurde der militärische Pour le Mérite nur an vergleichsweise wenige Offiziere verliehen. Gerade diese Seltenheit trug wesentlich zu seinem außergewöhnlichen Ansehen bei.
Die Auszeichnung stand nicht für Dienstalter oder Rang, sondern für herausragende persönliche Leistungen im Gefecht oder für außergewöhnliche militärische Führung. Dadurch entwickelte sich der Pour le Mérite zum prestigeträchtigsten Orden des preußischen Offizierkorps.
Bis heute zählt der Pour le Mérite zu den bekanntesten militärischen Auszeichnungen Europas. Historiker, Sammler und Militärinteressierte beschäftigen sich gleichermaßen mit seiner Geschichte, seiner Symbolik und den Persönlichkeiten, die ihn trugen.
Der sogenannte „Blaue Max“ ist dabei weit mehr als nur ein Orden. Er steht als historisches Zeugnis für die Militärtradition Preußens, die Entwicklung des europäischen Ordenswesens und die Geschichte des Deutschen Kaiserreichs.