Der Zweite Weltkrieg wurde nicht nur an Land und auf See entschieden. Über den Städten Europas entwickelte sich ein erbitterter Luftkrieg, der Millionen Menschen unmittelbar betraf. Zwischen 1939 und 1945 veränderten sich Technik, Taktik und die Bedeutung der Luftstreitkräfte grundlegend. Aus einzelnen Luftangriffen entwickelte sich ein nahezu ununterbrochener Kampf um die Kontrolle des europäischen Luftraums.
Mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann auch der Luftkrieg in Europa. Die Luftwaffe unterstützte die schnell vorstoßenden Bodentruppen, griff Verkehrswege, Flugplätze und militärische Einrichtungen an und trug entscheidend zum Erfolg der frühen Blitzkriege in Polen, Norwegen, den Niederlanden, Belgien und Frankreich bei.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Heer und Luftwaffe galt zunächst als revolutionär. Bewegliche Verbände konnten durch präzise Luftunterstützung schneller vorrücken als ihre Gegner reagieren konnten.
Nach dem Sieg über Frankreich richtete sich der Blick Deutschlands auf Großbritannien. Zwischen Juli und Oktober 1940 versuchte die Luftwaffe, die Royal Air Force (RAF) auszuschalten, um eine mögliche Invasion vorzubereiten.
Die sogenannte Luftschlacht um England entwickelte sich jedoch zu einer der ersten großen Niederlagen Deutschlands. Moderne Radartechnik, ein gut organisiertes Luftverteidigungssystem und die hohe Einsatzbereitschaft der britischen Jagdflieger verhinderten die deutsche Luftherrschaft.
Mit den zunehmenden Bombardierungen britischer Städte begann zugleich ein Luftkrieg gegen urbane Zentren, der sich im weiteren Verlauf des Krieges erheblich ausweiten sollte.
Ab 1942 intensivierten Großbritannien und die Vereinigten Staaten ihre Luftoffensive gegen das Deutsche Reich. Während die britische RAF überwiegend Nachtangriffe flog, setzte die US Army Air Forces auf Präzisionsangriffe bei Tag.
Ziele waren unter anderem:
Mit der Zeit weitete sich der Bombenkrieg jedoch auf ganze Stadtgebiete aus. Besonders Angriffe auf Hamburg, Köln, Berlin, Dresden, Essen oder Kassel verursachten enorme Zerstörungen und hohe Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung.
Die Operation Gomorrha gegen Hamburg im Sommer 1943 zeigte eindrucksvoll die zerstörerische Wirkung moderner Flächenbombardements. Feuerstürme vernichteten ganze Stadtviertel und forderten innerhalb weniger Tage Zehntausende Todesopfer.
Während die alliierten Bomberverbände immer tiefer nach Deutschland eindrangen, entwickelte sich ein erbitterter Kampf zwischen Bombern und Jagdflugzeugen.
Auf deutscher Seite kamen unter anderem zum Einsatz:
Die Alliierten setzten unter anderem ein:
Insbesondere die Einführung der P-51 Mustang mit großer Reichweite ermöglichte den alliierten Bombern einen wirksamen Begleitschutz bis tief ins Reichsgebiet. Dadurch stiegen die Verluste der deutschen Jagdverbände erheblich.
Ein Schwerpunkt der alliierten Luftoffensive lag auf der deutschen Treibstoffversorgung. Angriffe auf Hydrierwerke und Raffinerien führten ab 1944 zu massiven Engpässen.
Gleichzeitig wurden Eisenbahnlinien, Brücken und Rangierbahnhöfe bombardiert. Der Nachschub an die Fronten geriet zunehmend ins Stocken, während die deutsche Industrie trotz beeindruckender Produktionssteigerungen immer größere Schwierigkeiten bekam, Material und Personal bereitzustellen.
Für Millionen Menschen gehörte der Alltag im Krieg aus Luftalarm, Verdunkelung und Aufenthalten in Luftschutzkellern.
Familien verloren ihre Wohnungen innerhalb weniger Minuten, historische Innenstädte wurden zerstört und zahlreiche Kulturgüter gingen unwiederbringlich verloren. Der Luftkrieg prägte den Alltag der europäischen Bevölkerung wie kaum ein anderes Element des Zweiten Weltkriegs.
Auch in Großbritannien, insbesondere während des sogenannten Blitz von 1940/41, litten zahlreiche Städte unter deutschen Bombenangriffen.
Der Luftkrieg brachte zahlreiche technische Innovationen hervor:
Viele dieser Entwicklungen beeinflussten die militärische und zivile Luftfahrt noch Jahrzehnte nach Kriegsende.
Bis zum Frühjahr 1945 hatten die Alliierten weitgehend die vollständige Luftherrschaft über Europa erreicht. Deutsche Flugplätze wurden regelmäßig angegriffen, Treibstoff war kaum noch vorhanden und erfahrene Piloten fehlten zunehmend.
Mit der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 endete auch der Luftkrieg über Europa. Zurück blieben zerstörte Städte, Millionen Obdachlose und eine bis dahin unvorstellbare Zahl ziviler Opfer.
Der Luftkrieg über Europa war weit mehr als ein militärischer Wettbewerb zwischen Flugzeugen und Piloten. Er entwickelte sich zu einem umfassenden Krieg gegen Infrastruktur, Industrie und Städte und veränderte die Kriegsführung dauerhaft. Zugleich machte er deutlich, welche verheerenden Auswirkungen moderne Luftstreitkräfte auf die Zivilbevölkerung haben können.
Noch heute erinnern Museen, Gedenkstätten und erhaltene Flugzeuge an diese Zeit. Sie mahnen, die Geschichte des Luftkrieges differenziert zu betrachten – als Teil eines globalen Konflikts, dessen Folgen Europa bis heute prägen.