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Blog: Das Weltraumkommando der Bundeswehr

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Das Weltraumkommando der Bundeswehr bildet die zentrale militärische Führungs- und Koordinierungsstelle für alle Aktivitäten der Bundeswehr in der Dimension Weltraum.

Wer hier Dienst tut, findet kein „Science-Fiction-Umfeld“ vor, sondern hochkonzentrierte, operative Führungs- und Planungsarbeit. Im Mittelpunkt stehen die Erstellung eines militärischen Weltraumlagebildes, die Planung und Führung von Weltraumoperationen, der Schutz eigener Weltraumsysteme sowie die Integration weltraumgestützter Fähigkeiten in laufende Operationen und Übungen. Organisatorisch arbeitet das Kommando in einer klassischen militärischen Führungsstruktur (J1–J7) und ist klar taktisch geprägt. Hinzu kommt die enge Verzahnung mit nationalen und internationalen Partnern, mit anderen militärischen Dimensionen sowie mit zivilen Akteuren. Die Tätigkeit ist interdisziplinär, sicherheitspolitisch anspruchsvoll und unmittelbar einsatzrelevant.

Zugang und Auswahl

Für eine Verwendung im Weltraumkommando gelten grundsätzlich die regulären Laufbahnvoraussetzungen der Bundeswehr für Feldwebel und Offiziere. Ein technisches Studium ist für die Offizierslaufbahn nicht zwingend erforderlich. Zwar kann ein technischer oder naturwissenschaftlicher Hintergrund hilfreich sein, entscheidend sind jedoch Motivation, analytisches Denkvermögen, sicherheitspolitisches Interesse sowie die Bereitschaft, sich in ein hochdynamisches und komplexes Themenfeld einzuarbeiten.

Da der Weltraum militärisch eine Querschnittsdimension darstellt, werden unterschiedliche fachliche Hintergründe benötigt – von Technik und IT über Weltraumlageoffiziere und -feldwebel bis hin zu Operationsplanern in der Funktion als Weltraumeinsatzoffiziere oder -feldwebel. Seit Anfang 2024 besteht zudem die Möglichkeit, sich gezielt als Weltraumoffizier oder Weltraumfeldwebel zu bewerben und entsprechend eingestellt zu werden.

Ausbildung und Spezialisierung

Mit dem 2024 eingeführten Werdegang „Weltraum" wurde erstmals eine klar definierte Verwendungslinie innerhalb der Luftwaffe geschaffen.

Offiziers- und Feldwebelanwärter im Werdegang „Weltraum“ durchlaufen zunächst die reguläre militärische Ausbildung: die Allgemeine Grundausbildung (AGA), die jeweilige Laufbahnausbildung – etwa an der Offiziersschule der Luftwaffe – sowie bei Offizieren ein Studium an einer Universität der Bundeswehr in Hamburg oder München beziehungsweise an einer zivilen Hochschule. Feldwebel absolvieren gegebenenfalls eine zivile Aus- und Weiterbildung (ZAW).

Darauf aufbauend folgt eine modulare Weltraumausbildung von rund zwölf Wochen, in der Grundlagen in Physik, Informationstechnik und militärischen Fähigkeiten vermittelt werden. Eine anschließende sechswöchige Spezialausbildung differenziert nach Funktionsprofilen:

  • Weltraumlageoffiziere/-feldwebel mit Schwerpunkt auf der Überwachung von Weltraumobjekten, Sensorik und Lagebildarbeit
  • Weltraumeinsatzoffiziere/-feldwebel mit Schwerpunkt auf Planung und Führung von Weltraumoperationen

Der Weltraum als militärische Dimension

Militärisch wird der Weltraum als eigenständige Dimension verstanden – vergleichbar mit Land, See, Luft oder Cyber. Diese Dimension umfasst nicht nur Satelliten im Orbit, sondern auch das Bodensegment, Daten- und Signalverbindungen sowie die gesamte dahinterstehende Infrastruktur. Weltraumoperationen sind damit stets Multi-Domain-Operationen. Der Operationsraum beginnt ab der sogenannten Kármán-Linie bei etwa 100 Kilometern Höhe.

Verteidigung, Schutz und offensive Fähigkeiten

Im Zentrum steht die uneingeschränkte Nutzung weltraumgestützter Dienste wie Kommunikation, Aufklärung, Navigation oder Frühwarnfähigkeiten für die Flugkörperabwehr. Ebenso wesentlich sind der Schutz und die Resilienz eigener Systeme sowie die Erstellung eines belastbaren Weltraumlagebildes.

Gleichzeitig gilt: Schutz bleibt langfristig nur glaubwürdig, wenn auch offensive Maßnahmen möglich sind. „Offensiv“ bedeutet dabei nicht zwingend zerstörerisch. Gemeint ist die Fähigkeit, gegnerische Weltraumnutzung im Konfliktfall einschränken oder Angriffe abwehren zu können, etwa durch elektronische oder andere nicht-kinetische Maßnahmen.

Bedeutung für zivile Infrastrukturen

Weltraumgestützte Dienste sind integraler Bestandteil kritischer Infrastrukturen. Navigation und präzise Zeitdienste bilden die Grundlage für Stromnetze und Finanztransaktionen. Luft- und Seeverkehr, Rettungswesen, Energieversorgung, Telekommunikation, Datenübertragung, Landwirtschaft, Wettervorhersage und zahlreiche wissenschaftliche Anwendungen sind auf Satellitensysteme angewiesen.

Ein Ausfall hätte daher nicht nur militärische, sondern erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen.

Internationale Kooperation

Deutschland arbeitet in der Weltraumsicherheit eng mit Verbündeten zusammen. Dazu zählen unter anderem die USA, Frankreich und weitere Partner innerhalb und außerhalb der NATO. Zudem beteiligt sich Deutschland an der multinationalen US-geführten  Operation Olympic Defender (OOD). Diese dient der dauerhaften Sicherung der ungehinderten militärischen Nutzung des Weltraums.

Weltraumsicherheit ist ohne internationale Zusammenarbeit praktisch nicht umsetzbar. Lageinformationen werden geteilt, Operationen abgestimmt und Fähigkeiten ergänzt.

Im internationalen Vergleich verfügen die USA mit der United States Space Force über die weltweit umfassendsten militärischen Weltraumfähigkeiten. China baut seine Kapazitäten dynamisch aus und versteht den Weltraum als strategischen Machtfaktor. Die USA, China und Russland sind zudem Nuklearmächte und betrachten den Weltraum deshalb auch schon immer im Kontext strategischer Abschreckung und Frühwarnfähigkeit.

Deutschland verfolgt einen kooperativen Ansatz, investiert jedoch zunehmend in eigene Fähigkeiten. Bis 2030 sind erhebliche Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich vorgesehen. Der Schwerpunkt liegt auf Kommunikation, Aufklärung, Weltraumüberwachung, Frühwarnsystemen sowie perspektivisch auf Schutz- und aktiven Fähigkeiten. Deutschland versteht sich dabei als verlässlicher europäischer Anker und Fähigkeitsbringer innerhalb seiner Bündnisse.

Personalstruktur und interdisziplinäre Zusammenarbeit

Im Weltraumkommando dienen Soldatinnen und Soldaten aller Laufbahnen, mit einem Schwerpunkt bei Offizieren und Feldwebeln, ergänzt durch Beamte und zivile Mitarbeitende. Im ressortgemeinsam von Luftwaffe und dem Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt betriebenen Weltraumlagezentrum arbeiten militärisches Personal und Wissenschaftler eng zusammen. Insbesondere in der Weltraumwetterberatung sind astrophysikalische und naturwissenschaftliche Qualifikationen von besonderer Bedeutung, weshalb dort viele zivile Fachkräfte eingesetzt sind. Die interdisziplinäre Zusammensetzung spiegelt die Komplexität der Dimension Weltraum wider.

Fähigkeitsausbau und Perspektive

Der aktuelle Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau eigener Satellitenfähigkeiten und Sensorik – insbesondere Kommunikationssatelliten, radarbasierte und weitere Aufklärungssysteme sowie Beiträge zur Weltraumüberwachung durch Teleskope, Radare und Laser-Ranging-Systeme. Perspektivisch werden auch Frühwarn-, Schutz- und aktive Fähigkeiten wie Wächter- oder Inspektorsatelliten betrachtet. Neben diesen Fähigkeiten gewinnt auch der souveräne Zugang zum Weltraum strategisch an Bedeutung. Entwicklungen im nationalen und europäischen Trägermarkt werden daher intensiv beobachtet und bewertet. Ein verlässlicher Zugang ist langfristig ein sicherheitspolitischer Faktor, der gerade auch im Kontext europäischer Kooperation zu betrachten ist.

Weltraum als Operationsraum der Zukunft

Der Weltraum ist bereits heute militärische Dimension und Operationsraum. Konflikte wirken in diese Dimension hinein – etwa durch Cyberangriffe auf Satellitennetze oder Störmaßnahmen. Die sicherheitspolitische Entwicklung zeigt, dass der Weltraum dauerhaft eine zentrale Rolle in militärischen Auseinandersetzungen spielen wird. Moderne Kriegsführung ist ohne ihn nicht mehr denkbar.

Verteidigung bedeutet in diesem Kontext den Schutz eigener Fähigkeiten und Systeme. Abschreckung entsteht, wenn ein potenzieller Gegner erkennt, dass Angriffe nicht folgenlos bleiben. Resiliente Systeme, Schutzmaßnahmen und aktive Fähigkeiten erhöhen die Glaubwürdigkeit – mit dem Ziel, nicht Eskalation zu fördern, sondern Stabilität zu sichern.

Fachliche Zuarbeit durch Weltraumkommando der Bundeswehr
Fotos mit freundlicher Genehmigung „© Bundeswehr/Jennifer Heyn

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