Am Ende hat es sich gelohnt. Ich bin im Heimatschutzregiment 2 in Münster beordert worden – und damit in einer Struktur, die ganz nah an der Realität dessen ist, was „Heimatschutz“ heute bedeutet: Präsenz, Unterstützungsfähigkeit, Organisation, Ausbildung und ein Beitrag zur Landes- und Bündnisverteidigung dort, wo man lebt und arbeitet. Für mich war das ein entscheidender Punkt. Ich wollte nicht „irgendwie“ Reservist sein, sondern in einem Verband mit klarer Aufgabe, verlässlichen Abläufen und einem Umfeld, in dem Engagement tatsächlich gebraucht wird.
Auf meiner ersten Wehrübung kam dann gleich eine schöne Überraschung, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte: Ich bin zum Oberfeldwebel befördert worden. Darüber hinaus konnte ich direkt mit anpacken und so zum Beispiel tatkräftig beim Auftritt meines Regiments am Tag der Bundeswehr mitwirken.
Kurz danach kam ein weiterer prägender Baustein: die Übung National Guardian I in Rheinbach. Ich war dort etwa eine Woche als Funktionspersonal eingesetzt, im Bereich Verwaltung und als Unterstützung der Übungsleitung. Wer „Übung“ hört, denkt oft sofort an Gelände, Marsch, Gefechtsdienst. Aber ohne funktionierende Administration, saubere Prozesse, Dokumentation, Koordination und verlässliche Unterstützung läuft nichts. Genau das war meine Rolle: Struktur schaffen, Abläufe stabil halten, den Führungskräften den Rücken freihalten. Für mich war das eine sehr direkte Erfahrung, wie sehr moderne Einsatzbereitschaft auch von Organisation abhängt.
Parallel dazu betreue ich die Regimentspost – eine digitale Infozeitung für alle Reservisten des Regiments. Das ist in der Praxis weit mehr als „ein bisschen Text“. Es geht um Information, Orientierung und Transparenz: Was passiert gerade im Regiment? Welche Termine stehen an? Welche Ausbildungsangebote gibt es? Welche Schwerpunkte setzt die Führung? Gerade in einem Verband, in dem viele Kameradinnen und Kameraden zivil stark eingebunden sind, ist gute interne Kommunikation ein echter Faktor für Zusammenhalt und Verlässlichkeit.
Darüber hinaus unterstütze ich den Stab in Münster bei Verwaltungsaufgaben. Auch hier gilt: Es sind oft die unsichtbaren Dinge, die die Truppe handlungsfähig machen. Und als Reservist lernt man schnell, wie wertvoll Kontinuität ist – insbesondere dann, wenn man mehrere Wochen pro Jahr aktiv Dienst leistet und nicht nur punktuell „reinschnuppert“.
Wichtig ist mir aber auch: Ich bin nicht nur in der Verwaltung tätig, sondern nehme aktiv an der Ausbildung teil, wenn es möglich ist. Zuletzt zum Beispiel bei einer Auffrischung der Wachausbildung. Es hat sich seit meiner aktiven Zeit (2008 bis 2014) militärisch auch einfach unglaublich viel getan, weshalb es aus meiner Sicht wichtig ist, up to date zu bleiben.
Was sind für mich die schönsten Aspekte am Dienst als Reservist? An erster Stelle: die Kameradschaft. Diese besondere Mischung aus Professionalität, direkter Sprache, Humor und Verlässlichkeit findet man so kaum woanders. Dazu kommt etwas, das ich deutlich spüre: ein neuer Spirit in der Bundeswehr. Das Gefühl, dass es aufwärts geht. Dass die Truppe sich bewegt. Dass sich Strukturen, Prioritäten und Mindsets verändern – nicht über Nacht, aber spürbar.
Und ich merke, dass meine zivile Perspektive als Unternehmer nicht nur „geduldet“, sondern geschätzt wird. Wenn Führung offen dafür ist, wie man Prozesse effizienter macht, wie Kommunikation klarer wird oder wie man Verantwortung sinnvoll verteilt, entsteht ein echtes Miteinander aus militärischer Erfahrung und ziviler Kompetenz. Genau das ist, aus meiner Sicht, ein Kernwert der Reserve. Dabei zeigt sich mein Regiment flexibel und bindet mich so ein, wie es für mich beruflich passt.
Am Ende bleibt für mich ein sehr einfacher Satz: Es macht Spaß. Ich war immer gerne Soldat – und heute, als beorderter Reservist, kann ich dieses Gefühl mit einem konkreten Beitrag verbinden. Nicht nostalgisch, sondern praktisch. Nicht abstrakt, sondern im Dienstalltag. Und genau deshalb lohnt sich der Weg, auch wenn er am Anfang länger dauert, als ich es mir wünschen würde.
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