Nach der sowjetischen Einkesselung Stalingrads im November 1942 war Pitomnik zum wichtigsten Flugplatz der Luftbrücke geworden. Hier landeten Ju-52-Transporter, He-111-Bomber in Transportrolle und gelegentlich auch größere Maschinen. Sie brachten Munition, Verpflegung und Sanitätsmaterial – stets viel zu wenig, um den tatsächlichen Bedarf zu decken, aber genug, um die Hoffnung aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig wurden über Pitomnik tausende Verwundete ausgeflogen, darunter Schwerverletzte, deren Überlebenschancen im Kessel minimal waren.
Der Flugplatz lag jedoch in Reichweite sowjetischer Artillerie. Schon Wochen vor seinem Fall war der Betrieb nur noch unter extremen Risiken möglich. Einschläge auf Start- und Landebahnen, zerstörte Maschinen am Boden und chaotische Zustände prägten das Bild. Dennoch blieb Pitomnik bis zuletzt der einzige Platz, der eine halbwegs geordnete Luftversorgung erlaubte.
Im Januar 1943 setzte die Rote Armee zu einer systematischen Zerschlagung des Kessels an. Mit jedem Kilometer, den die sowjetischen Truppen vorrückten, schrumpfte der deutsche Verteidigungsraum. Pitomnik rückte zunehmend ins unmittelbare Frontgebiet. Am 16. Januar gelang es sowjetischen Einheiten, den Flugplatz einzunehmen. Zurück blieben zerstörte Maschinen, liegengebliebene Verwundete und ein Bild völliger Auflösung.
Der Verlust von Pitomnik war ein Schock – militärisch wie psychologisch. Zwar existierte mit Gumrak noch ein weiterer Flugplatz, doch dessen Kapazität war deutlich geringer. Landungen wurden seltener, gefährlicher und oft ganz unmöglich. Viele Maschinen warfen ihre Lasten nun im Tiefflug ab, häufig ungenau oder direkt in sowjetisch kontrollierte Gebiete. Verwundete, die noch auf eine Ausfliegung gehofft hatten, blieben zurück.
Für die Soldaten im Kessel war klar: Die letzte realistische Verbindung zur Außenwelt war abgeschnitten. Der Glaube an Entsatz oder eine nachhaltige Versorgung erlosch endgültig.
Historisch markiert der 16. Januar 1943 einen Wendepunkt in der Schlacht von Stalingrad. Mit dem Fall von Pitomnik wurde offensichtlich, dass die 6. Armee nicht mehr zu retten war. Die verbliebenen Tage waren geprägt von Hunger, Kälte, Munitionsmangel und dem stetigen Zusammenbruch der Kampfkraft.
Pitomnik steht damit symbolisch für das Scheitern der Luftbrückenstrategie und für die Illusion, eine eingeschlossene Großformation allein aus der Luft versorgen zu können. Der Verlust dieses Flugplatzes war kein einzelnes Ereignis mehr – er war das sichtbare Zeichen dafür, dass der Untergang der 6. Armee nur noch eine Frage der Zeit war.
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